Krankheitslehre

Adnexitis

Entzündung von Eileitern und Eierstöcken.

Fachgebiet: Gynäkologie & Geburtshilfe

Entzündung von Eileitern und Eierstöcken.

Definition

Eine meist bakteriell bedingte Entzündung von Eileitern und Eierstöcken (zusammen auch Adnexen genannt, vom lateinischen 'adnexa' für 'Anhangsgebilde'). Adnexitis ist die häufigste Form der sogenannten 'Pelvic Inflammatory Disease' (PID, im Deutschen manchmal auch entzündliche Beckenerkrankung genannt) — einem Sammelbegriff für aufsteigende Entzündungen der weiblichen inneren Geschlechtsorgane, der auch benachbarte Strukturen wie die Gebärmutter mit einschließen kann. Betroffen sind vor allem junge, sexuell aktive Frauen, weshalb die Erkrankung eine erhebliche Bedeutung für die spätere Fruchtbarkeit hat und frühzeitig erkannt und behandelt werden sollte.

Ursache

Meist steigen Bakterien von der Scheide über den Gebärmutterhals und die Gebärmutterhöhle in die Eileiter auf — häufig ausgelöst durch sexuell übertragbare Erreger wie Chlamydien oder Gonokokken (die Erreger der Gonorrhoe), seltener durch andere Scheidenkeime, die bei einer Störung des natürlichen Scheidenmilieus in höhere Genitalabschnitte gelangen. Der Aufstieg der Erreger wird durch bestimmte Situationen begünstigt, in denen die natürliche Barrierefunktion des Gebärmutterhalses geschwächt ist — etwa nach einer Entbindung, einer Fehlgeburt, einem Schwangerschaftsabbruch oder beim Einsetzen eines Intrauterinpessars (Spirale). In selteneren Fällen breitet sich eine Entzündung auch von benachbarten Organen aus, etwa bei einer fortgeschrittenen Blinddarmentzündung.

Einteilung / Stadien

  • Akute Adnexitis: Plötzlicher Beginn mit Schmerzen und Fieber.
  • Chronische Adnexitis: Wiederkehrende oder anhaltende Entzündung mit Verwachsungen und chronischen Unterbauchschmerzen.

Risikofaktoren

  • Häufig wechselnde Sexualpartner ohne Schutz (Kondom)
  • Junges Alter — die höchste Häufigkeit liegt zwischen dem 15. und 25. Lebensjahr
  • Vorausgegangene Genitalinfektionen oder bereits durchgemachte Adnexitis (erhöhtes Rezidivrisiko)
  • Neu eingesetztes Intrauterinpessar (Spirale), besonders in den ersten Wochen danach
  • Voroperationen im Unterbauch
  • Zustand nach Geburt, Fehlgeburt oder Schwangerschaftsabbruch
  • Häufige vaginale Spülungen, die das natürliche Scheidenmilieu stören können

Symptome

  • Unterbauchschmerzen, meist beidseitig, oft neu aufgetreten oder verstärkt kurz nach der Menstruation
  • Fieber, bei leichteren Verläufen teils nur leicht erhöhte Temperatur
  • Vermehrter, teils übelriechender Ausfluss
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
  • Unregelmäßige Zwischenblutungen
  • Übelkeit und Erbrechen bei stärker ausgeprägtem Verlauf
  • Druckschmerz bei der gynäkologischen Untersuchung, insbesondere ein sogenannter Portioschiebeschmerz (Schmerz beim vorsichtigen Bewegen des Muttermunds — ein klassisches Untersuchungszeichen)

Therapie

Da meist mehrere Erregerarten gleichzeitig beteiligt sind und ein Erregernachweis Zeit braucht, wird in der Regel sofort eine empirische Breitbandantibiotikatherapie begonnen, die typische Erreger wie Chlamydien und Gonokokken gleichermaßen abdeckt — ohne auf das Ergebnis des Abstrichs zu warten. Leichtere Verläufe können ambulant mit oraler Antibiotikagabe behandelt werden, bei starkem Krankheitsgefühl, Verdacht auf einen Abszess, während einer Schwangerschaft oder bei fehlendem Ansprechen auf die orale Therapie erfolgt die Behandlung stationär mit intravenösen Antibiotika. Ein liegendes Intrauterinpessar wird bei bestehendem Zusammenhang in der Regel entfernt. Bildet sich ein Abszess zwischen Eileiter und Eierstock (Tuboovarialabszess), kann zusätzlich eine operative Entlastung nötig werden. Eine Partnerbehandlung ist bei sexuell übertragbarem Erreger wichtig, um eine erneute Ansteckung zu verhindern.

Diagnostik

  • Gynäkologische Untersuchung inkl. Prüfung auf Portioschiebeschmerz
  • Abstrich zur Erregerbestimmung
  • Ultraschall zum Ausschluss eines Abszesses
  • Entzündungswerte im Blut
  • Schwangerschaftstest, um eine Extrauteringravidität als wichtige Differentialdiagnose auszuschließen

Normwerte

  • CRP (C-reaktives Protein, ein Entzündungswert im Blut): < 5 mg/l

Differentialdiagnosen

  • Appendizitis (Blinddarmentzündung) — bei rechtsseitiger Adnexitis ähnliche Schmerzlokalisation
  • Extrauteringravidität (Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter, z. B. im Eileiter) — bei Frauen im gebärfähigen Alter wichtige Differentialdiagnose

Pflegerische Maßnahmen

  • Vitalzeichen und Schmerzen überwachen
  • Auf konsequente, vollständige Einnahme der Antibiotikatherapie achten — auch wenn sich die Beschwerden bereits vorher bessern
  • Einfühlsame, diskrete Gesprächsführung bei diesem oft schambesetzten Thema
  • Bei Bedarf über Partnerbehandlung und Safer-Sex-Praktiken informieren
  • Bei ärztlicher Freigabe Wärmeanwendungen zur Schmerzlinderung anbieten
  • Psychische Unterstützung anbieten, da Sorgen um die spätere Fruchtbarkeit für viele Betroffene sehr belastend sind
  • Nach überstandener Adnexitis auf die Bedeutung regelmäßiger gynäkologischer Kontrollen hinweisen

Komplikationen

  • Tuboovarialabszess (Eiteransammlung zwischen Eileiter und Eierstock)
  • Chronische Unterbauchschmerzen durch bleibende Verwachsungen
  • Eileiterverklebungen mit möglicher Unfruchtbarkeit
  • Erhöhtes Risiko für eine spätere Eileiterschwangerschaft (Extrauteringravidität)
  • Fitz-Hugh-Curtis-Syndrom — eine seltene Ausbreitung der Entzündung auf die Leberkapsel mit rechtsseitigen Oberbauchschmerzen
  • Wiederholte Episoden (Rezidive) bei unzureichender Behandlung oder erneuter Ansteckung

Prognose

Bei rechtzeitiger antibiotischer Behandlung heilt die akute Adnexitis meist folgenlos aus. Verzögert sich die Behandlung oder kommt es zu wiederholten Episoden, steigt das Risiko für Verwachsungen mit Unfruchtbarkeit und chronischen Schmerzen deutlich.

Eselsbrücke

Unbehandelt drohen verklebte Wege — unbehandelte Adnexitis kann durch Vernarbung der Eileiter zu Unfruchtbarkeit führen.

Merksatz

Bei Verdacht auf Adnexitis sollte immer auch an eine mögliche sexuell übertragbare Ursache und die Notwendigkeit einer Partnerbehandlung gedacht werden.

Prüfungswissen

Klassischer Prüfungsfehler: Unterbauchschmerzen bei Frauen werden vorschnell nur auf eine Blasenentzündung zurückgeführt, ohne eine Adnexitis mit ihren möglichen schwerwiegenden Folgen (Unfruchtbarkeit) in Betracht zu ziehen.

Zusammenfassung

Die Adnexitis ist eine meist bakterielle, oft sexuell übertragbare Entzündung von Eileitern und Eierstöcken mit Risiko für Unfruchtbarkeit. Zentrale Pflegeaufgabe: einfühlsame Begleitung, konsequente Antibiotikatherapie und Aufklärung zu Partnerbehandlung.

Praxisfall

Situation: Eine junge Patientin klagt über beidseitige Unterbauchschmerzen, Fieber und vermehrten Ausfluss.

Frage: Woran denkst du und was tust du?

Musterantwort: Verdacht auf Adnexitis äußern, gynäkologische Abklärung mit Abstrich anregen, Vitalzeichen überwachen, einfühlsam und diskret kommunizieren, auf Antibiotikatherapie und ggf. Partnerbehandlung hinweisen.

In der App weiterlernen mit Quiz, Karteikarten und Fortschritt.