Medikamentenlehre

Antihistaminika

Medikamente gegen allergische Reaktionen.

Medikamente gegen allergische Reaktionen.

Wirkweise

Blockieren Histamin-H1-Rezeptoren und hemmen dadurch die Wirkung des bei allergischen Reaktionen freigesetzten Histamins (u. a. Juckreiz, Schwellung, Rötung). Ältere (1. Generation) Antihistaminika wirken zusätzlich sedierend, da sie die Blut-Hirn-Schranke überwinden.

Indikation

Allergische Reaktionen (Heuschnupfen, Urtikaria, Insektenstiche), allergische Begleitsymptome bei anaphylaktischen Reaktionen, ältere Substanzen zusätzlich bei Übelkeit/Schlafstörungen eingesetzt.

Wichtige Vertreter

  • Cetirizin, Loratadin — nicht sedierende Antihistaminika der 2. Generation
  • Fexofenadin — nicht sedierendes Antihistaminikum der 2. Generation
  • Dimetinden, Clemastin — sedierende Antihistaminika der 1. Generation

Nebenwirkungen

  • 1. Generation: ausgeprägte Müdigkeit/Sedierung, Mundtrockenheit
  • 2. Generation: deutlich geringere Sedierung, insgesamt gut verträglich
  • Selten: Kopfschmerzen, gastrointestinale Beschwerden

Kontraindikationen & Wechselwirkungen

  • 1. Generation: Vorsicht bei älteren Menschen (erhöhtes Sturzrisiko durch Sedierung, anticholinerge Effekte)
  • 1. Generation: verstärkte Sedierung in Kombination mit Alkohol oder anderen dämpfenden Medikamenten
  • 2. Generation ist bei älteren Patienten aufgrund des besseren Nebenwirkungsprofils meist vorzuziehen

Pflegerische Hinweise

  • Bei sedierenden Antihistaminika (1. Generation) auf erhöhtes Sturzrisiko achten, besonders bei älteren Menschen
  • Auf mögliche Wechselwirkung mit anderen dämpfenden Medikamenten hinweisen
  • Bei allergischen Reaktionen auf Wirkeintritt und Symptomlinderung achten, bei ausbleibender Besserung oder Zunahme der Symptome (z. B. Atemnot) sofort ärztlich abklären (Verdacht auf anaphylaktische Reaktion, siehe Notfall Anaphylaktischer Schock)
  • Bei Bedarf tagsüber nicht-sedierende Präparate der 2. Generation bevorzugen, um die Alltagsfähigkeit nicht einzuschränken

Eselsbrücke

1. Generation macht müde, 2. Generation lässt wach — bei älteren Menschen tagsüber lieber die 2. Generation wählen.

Merksatz

Sedierende Antihistaminika der 1. Generation erhöhen bei älteren Menschen das Sturzrisiko deutlich — wo möglich, ist ein nicht sedierendes Präparat der 2. Generation vorzuziehen.

Prüfungswissen

Klassischer Prüfungsfehler: Antihistaminika werden pauschal als 'harmlose Allergiemittel' ohne Sturzrisiko eingeschätzt. Präparate der 1. Generation wirken sedierend und anticholinerg und erhöhen bei älteren Menschen das Sturz- und Verwirrtheitsrisiko deutlich.

Zusammenfassung

Antihistaminika blockieren Histamin-H1-Rezeptoren und lindern allergische Symptome. Zentrale Pflegeaufgabe: bei sedierenden Präparaten der 1. Generation besonders bei älteren Menschen auf Sturzrisiko achten und wo möglich nicht sedierende Präparate der 2. Generation bevorzugen.

Praxisfall

Situation: Ein älterer Bewohner erhält bei Juckreiz ein Antihistaminikum der 1. Generation und wirkt am nächsten Morgen ungewöhnlich schläfrig und unsicher beim Gehen.

Frage: Was tust du?

Musterantwort: Sturzgefahr ernst nehmen, engmaschige Begleitung sicherstellen, Beobachtung dokumentieren und dem Arzt mitteilen, Möglichkeit eines Wechsels auf ein nicht sedierendes Präparat der 2. Generation ansprechen.

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