Anaphylaktischer Schock
Schwere allergische Reaktion mit Haut-, Atemwegs- und Kreislaufbeteiligung, kann in Minuten lebensbedrohlich werden.
Schwere allergische Reaktion mit Haut-, Atemwegs- und Kreislaufbeteiligung, kann in Minuten lebensbedrohlich werden.
Erkennungszeichen
- Hautreaktionen: Urtikaria, Flush, Juckreiz, Angioödem (v. a. Lippen, Augenlider)
- Atemwegsbeteiligung: Stridor, Heiserkeit, Atemnot, Bronchospasmus
- Kreislaufbeteiligung: Tachykardie, Blutdruckabfall bis Schock
- Gastrointestinal: Übelkeit, Erbrechen, Bauchkrämpfe
- Rascher Beginn nach Allergenkontakt (Minuten bis wenige Stunden)
Sofortmaßnahmen
- Allergenzufuhr sofort stoppen (z. B. Infusion abstellen, keine weitere Medikamentengabe)
- Arzt/Notarzt sofort alarmieren
- Situationsgerecht lagern: Schocklage (Beine hoch) bei Kreislaufsymptomen, Oberkörperhochlagerung bei Atemnot
- Sauerstoffgabe nach Anordnung
- Adrenalin i.m. nach ärztlicher Anordnung bzw. Notfallset der Patientin, wenn vorhanden
- Venösen Zugang vorbereiten für Volumengabe und Notfallmedikation
- Engmaschige Vitalzeichenkontrolle bis zur Entwarnung durch den Arzt
Was NICHT tun
- Nicht abwarten, ob sich die Symptome von selbst bessern
- Bei Kreislaufinstabilität nicht aufsetzen/aufrichten (Gefahr des 'empty ventricle syndrome')
- Verdächtiges Allergen nicht weiter verabreichen, 'um sicherzugehen'
Verständigung
Sofortige Alarmierung des Arztes/Notarztes bei ersten Anzeichen — eine Anaphylaxie kann innerhalb von Minuten lebensbedrohlich eskalieren, nicht auf eine Verschlechterung warten.
Eselsbrücke
Anaphylaxie betrifft Haut, Atmung, Kreislauf, Darm — vier Systeme, an die man in dieser Reihenfolge denken sollte.
Merksatz
Adrenalin ist bei der schweren Anaphylaxie das Medikament der ersten Wahl — je früher gegeben, desto besser die Prognose. Zögern kostet Zeit, die man nicht hat.
Prüfungswissen
Klassischer Prüfungsfehler: Bei Kreislaufsymptomen die Patientin aufsetzen. Bei drohendem Schock ist die Schocklage (Beine hoch) richtig — Aufsetzen kann bei stark vermindertem Blutvolumen im Kreislauf zum Kreislaufstillstand führen.
Zusammenfassung
Die Anaphylaxie kann innerhalb von Minuten lebensbedrohlich werden und betrifft Haut, Atemwege, Kreislauf und Verdauungstrakt. Zentrale Pflegeaufgabe: Allergenzufuhr sofort stoppen, sofort alarmieren, situationsgerecht lagern und auf Adrenalin-Gabe vorbereiten.
Praxisfall
Situation: Kurz nach Beginn einer Antibiotika-Infusion klagt eine Patientin über Juckreiz, bekommt einen roten Ausschlag am ganzen Körper und wird zunehmend kurzatmig.
Frage: Was tust du unmittelbar?
Musterantwort: Infusion sofort stoppen, Arzt/Notarzt alarmieren, Vitalzeichen kontrollieren, je nach führendem Symptom lagern (Schocklage bei Kreislaufproblemen, Oberkörperhochlagerung bei Atemnot), Sauerstoff und i.v.-Zugang vorbereiten und auf Anordnung Adrenalin bereithalten.
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