Elektrounfall / Stromunfall
Eigenschutz vor der Stromquelle steht vor jeder Hilfeleistung.
Eigenschutz vor der Stromquelle steht vor jeder Hilfeleistung.
Erkennungszeichen
- Sichtbare Strom-Ein- und Austrittsmarken auf der Haut, die oft unauffällig klein wirken, obwohl darunter erhebliche Gewebeschäden vorliegen können
- Herzrhythmusstörungen bis zum Kreislaufstillstand
- Muskelkrämpfe (Tetanie), die ein selbstständiges Loslassen der Stromquelle unmöglich machen können
- Verbrennungen an den Kontaktstellen
- Bewusstlosigkeit, Atemstillstand
- Knochenbrüche durch heftige, unwillkürliche Muskelkontraktionen oder einen Sturz
Sofortmaßnahmen
- Eigenschutz an oberste Stelle: Person NIE berühren, solange sie noch Kontakt zur Stromquelle hat
- Stromquelle abschalten (Sicherung herausdrehen/Stecker ziehen) oder die Person mit einem nicht-leitenden Gegenstand (trockenes Holz, trockene Kleidung) von der Stromquelle wegschieben
- Erst nach gesicherter Trennung von der Stromquelle: Bewusstsein und Atmung prüfen
- Notruf veranlassen (lassen)
- Bei fehlender Atmung/fehlendem Kreislauf sofort mit Herzdruckmassage und Beatmung im üblichen Wechsel beginnen — die Wiederbelebung sollte bei Stromunfällen (insbesondere nach Blitzschlag) auch bei zunächst aussichtslos wirkendem Zustand konsequent fortgeführt werden
- Sichtbare Brandwunden an den Kontaktstellen keimfrei abdecken
- Auch bei unauffälligem äußerem Befund: die Person konsequent überwachen und ärztlich abklären lassen, da Herzrhythmusstörungen auch zeitversetzt auftreten können
Was NICHT tun
- Die betroffene Person niemals berühren, bevor sie sicher von der Stromquelle getrennt ist — sonst droht ein eigener Stromunfall
- Keine feuchten oder metallischen Gegenstände zur Trennung von der Stromquelle verwenden
- Bei äußerlich kleinen Verbrennungsmarken nicht von einer harmlosen Verletzung ausgehen — die tatsächliche Gewebeschädigung reicht oft deutlich tiefer
- Die Wiederbelebung nicht vorschnell abbrechen, insbesondere nicht nach einem Blitzschlag
Verständigung
Notruf bei jedem relevanten Stromunfall — auch bei äußerlich unauffälligem Befund, da innere Verletzungen (Herzrhythmusstörungen, Muskel- und Nierenschäden) von außen nicht erkennbar sind und sich teils erst zeitversetzt zeigen.
Eselsbrücke
Erst trennen, dann anfassen — bei Strom kommt der Eigenschutz immer vor der Erstversorgung.
Merksatz
Beim Elektrounfall täuscht die Haut oft: kleine, unscheinbare Ein- und Austrittsmarken können auf massive Gewebeschäden in der Tiefe hindeuten — das sogenannte Eisberg-Phänomen.
Prüfungswissen
Prüfungsrelevant sind der konsequente Eigenschutz vor jeder Hilfeleistung, das Eisberg-Phänomen (äußerlich kleine Verletzung, innerlich ausgedehnte Schädigung), die Gefahr von Herzrhythmusstörungen auch bei scheinbar unauffälligem Zustand, sowie die konsequente Fortführung der Wiederbelebung nach Stromunfällen, insbesondere bei Blitzschlag.
Zusammenfassung
Beim Elektrounfall steht der eigene Schutz vor der Stromquelle an erster Stelle — erst nach gesicherter Trennung dürfen Bewusstsein, Atmung und Verletzungen versorgt werden. Äußerlich kleine Verbrennungsmarken können erhebliche innere Schäden verdecken (Eisberg-Phänomen), Herzrhythmusstörungen sind auch verzögert möglich.
Praxisfall
Situation: Ein Bauarbeiter berührt versehentlich eine defekte Stromleitung und bleibt regungslos auf dem Boden liegen, ein Kollege will ihm sofort zur Hilfe eilen.
Frage: Was ist die wichtigste Handlungsanweisung, bevor irgendjemand zu dem Verunglückten geht?
Musterantwort: Der Kollege darf den Verunglückten unter keinen Umständen berühren, solange der Stromkreis nicht sicher unterbrochen ist — zuerst muss die Stromquelle abgeschaltet werden (Sicherung, Stecker), erst danach dürfen Bewusstsein und Atmung geprüft und Erste-Hilfe-Maßnahmen eingeleitet werden.
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