Notfälle

Ertrinkungsunfall

Rettung aus dem Wasser mit abweichender Reanimationsreihenfolge (zuerst Beatmung).

Rettung aus dem Wasser mit abweichender Reanimationsreihenfolge (zuerst Beatmung).

Erkennungszeichen

  • Person wird leblos oder in Atemnot aus dem Wasser geborgen
  • Husten, Würgen, schaumiger Auswurf
  • Bewusstseinsstörung bis Bewusstlosigkeit
  • Bläuliche Hautverfärbung (Zyanose)
  • Unterkühlung, insbesondere nach längerem Aufenthalt in kaltem Wasser
  • Auch bei zunächst unauffälligem, wachem Zustand: mögliche verzögert einsetzende Atemnot in den Stunden danach

Sofortmaßnahmen

  • Eigenschutz vor der Rettung beachten — nicht ungesichert ins Wasser gehen, wenn keine entsprechende Ausbildung/Ausrüstung vorhanden ist
  • Person so rasch wie möglich, aber sicher aus dem Wasser bergen
  • Bewusstsein und Atmung sofort nach der Bergung überprüfen
  • Bei fehlender oder unzureichender Atmung: anders als beim üblichen Kreislaufstillstand ZUERST 5 Beatmungen durchführen, danach mit der Herzdruckmassage im üblichen Wechsel (30:2) fortsetzen, da beim Ertrinken der Sauerstoffmangel und nicht ein primäres Herzproblem die Ursache ist
  • Notruf veranlassen (lassen), sobald möglich
  • Nasse Kleidung entfernen und die Person so gut wie möglich vor weiterem Auskühlen schützen
  • Auch bei scheinbar unauffälligem Zustand nach der Rettung: die Person keinesfalls unbeaufsichtigt lassen und in jedem Fall ärztlich abklären lassen

Was NICHT tun

  • Nicht versuchen, Wasser aus der Lunge zu „drücken“ oder auszuschütten — das kostet wertvolle Zeit und kann Erbrechen mit zusätzlicher Aspiration auslösen
  • Bei fehlender Atmung nicht sofort nur mit der Herzdruckmassage beginnen, ohne vorher die 5 initialen Beatmungen durchzuführen
  • Eine anscheinend unauffällige Person nach der Rettung nicht vorschnell als „unverletzt“ einstufen und alleine lassen
  • Bei Verdacht auf Unterkühlung keine hastigen, ruckartigen Bewegungen der Person — Gefahr von Herzrhythmusstörungen

Verständigung

Notruf bei jedem Ertrinkungsunfall, unabhängig davon, wie wach und unauffällig die Person unmittelbar nach der Rettung wirkt — eine verzögert auftretende Atemnot in den folgenden Stunden ist möglich und erfordert eine ärztliche Beobachtung.

Eselsbrücke

Beim Ertrinken zuerst Luft, dann Druck — 5 Beatmungen vor der ersten Herzdruckmassage.

Merksatz

Beim Ertrinkungsunfall ist der Sauerstoffmangel die Ursache des Kreislaufstillstands, nicht ein Herzproblem — deshalb starten die Wiederbelebungsmaßnahmen abweichend vom Standardschema mit Beatmung statt mit Herzdruckmassage.

Prüfungswissen

Klassischer Prüfungsfehler: den Ertrinkungsunfall wie einen gewöhnlichen Kreislaufstillstand mit sofortiger Herzdruckmassage behandeln. Richtig ist die abweichende Reihenfolge mit 5 initialen Beatmungen zuerst. Ebenfalls prüfungsrelevant: auch bei unauffälligem Zustand nach der Rettung besteht die Gefahr einer verzögert einsetzenden Atemnot, eine ärztliche Abklärung ist immer erforderlich.

Zusammenfassung

Beim Ertrinkungsunfall steht nach der sicheren Rettung aus dem Wasser die rasche Wiederherstellung der Sauerstoffversorgung im Vordergrund — bei fehlender Atmung wird abweichend vom üblichen Schema zuerst 5-mal beatmet. Jede betroffene Person braucht eine ärztliche Abklärung, auch wenn sie unmittelbar nach der Rettung unauffällig wirkt.

Praxisfall

Situation: Ein Kind wird bewusstlos und ohne erkennbare Atmung aus einem Schwimmbecken geborgen.

Frage: Was tust du als Erstes nach der Bergung?

Musterantwort: Bewusstsein und Atmung sofort prüfen, Notruf veranlassen (lassen), bei fehlender Atmung sofort mit 5 Beatmungen beginnen, danach im üblichen Wechsel 30 Herzdruckmassagen zu 2 Beatmungen fortsetzen, nasse Kleidung entfernen und vor Auskühlung schützen.

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