Sturz mit Verdacht auf Fraktur
Sicherer Umgang mit Verletzten nach einem Sturz, bis zur ärztlichen Versorgung.
Sicherer Umgang mit Verletzten nach einem Sturz, bis zur ärztlichen Versorgung.
Erkennungszeichen
- Sichtbare Fehlstellung oder abnorme Beweglichkeit der betroffenen Extremität
- Starke, lokal begrenzte Schmerzen, die bei Bewegung zunehmen
- Schwellung und zunehmender Bluterguss über der Verletzung
- Bewegungseinschränkung oder Funktionsverlust der betroffenen Gliedmaße
- Eventuell hör-/spürbares Knirschen (Krepitation) bei Bewegung
- Bei offener Fraktur: sichtbarer Knochen oder Wunde über der Bruchstelle
Sofortmaßnahmen
- Betroffene Person beruhigen, nicht unnötig bewegen
- Verletzte Extremität in vorgefundener Position ruhigstellen/polstern — keine Reposition
- Durchblutung, Motorik und Sensibilität distal der Verletzung prüfen und dokumentieren (DMS-Kontrolle)
- Bei offener Fraktur: Wunde steril abdecken, keinen Druck auf hervorstehende Knochenteile ausüben
- Arzt/Notarzt alarmieren, insbesondere bei Verdacht auf Becken-, Oberschenkel- oder Wirbelsäulenfraktur
- Vitalzeichen kontrollieren (Schockgefahr bei großen Frakturen, z. B. Femur)
- Betroffene Person warm halten, nüchtern lassen (mögliche OP)
- Bei Verdacht auf Wirbelsäulenverletzung: Kopf/Wirbelsäule achsengerecht stabilisieren, keine Drehung
Was NICHT tun
- Keine Reposition oder gewaltsames Geraderichten der Fehlstellung versuchen
- Keine hervorstehenden Knochenteile zurückschieben
- Betroffene Extremität nicht unnötig bewegen oder belasten lassen
- Bei Verdacht auf Wirbelsäulenverletzung Person nicht ohne zwingenden Grund umlagern
Verständigung
Bei sichtbarer Fehlstellung, offener Fraktur, Verdacht auf Wirbelsäulen-, Becken- oder Oberschenkelfraktur sowie bei Schockzeichen sofort Arzt/Notarzt alarmieren.
Eselsbrücke
DMS prüfen, bevor du schienst: Durchblutung, Motorik, Sensibilität — vor UND nach jeder Ruhigstellung.
Merksatz
Ruhigstellen wie vorgefunden, niemals reponieren — die Korrektur der Fehlstellung ist Sache der Ärztin/des Arztes, nicht der Pflege.
Prüfungswissen
Klassischer Prüfungsfehler: Bei sichtbarer Fehlstellung eigenmächtig versuchen, die Extremität 'gerade zu ziehen'. Das kann Nerven, Gefäße oder Weichteile zusätzlich schädigen. Ruhigstellung erfolgt immer in der vorgefundenen Position.
Zusammenfassung
Bei Verdacht auf eine Fraktur wird die betroffene Extremität in vorgefundener Position ruhiggestellt, niemals reponiert. DMS-Kontrolle vor und nach der Ruhigstellung, offene Frakturen steril abdecken, bei großen Frakturen oder Wirbelsäulenverdacht sofort Arzt/Notarzt alarmieren und auf Schockzeichen achten.
Praxisfall
Situation: Eine Bewohnerin ist im Bad gestürzt, klagt über starke Schmerzen im rechten Handgelenk, das sichtbar verformt ist und zunehmend anschwillt.
Frage: Was tust du?
Musterantwort: Bewohnerin beruhigen, Handgelenk in vorgefundener Stellung ruhigstellen/polstern, DMS distal der Verletzung prüfen, Arzt informieren, Vitalzeichen kontrollieren, keine Reposition versuchen.
In der App weiterlernen mit Quiz, Karteikarten und Fortschritt.