Notfälle

Vergiftung / Intoxikation

Akute Vergiftung durch Medikamente, Chemikalien oder andere Substanzen.

Akute Vergiftung durch Medikamente, Chemikalien oder andere Substanzen.

Erkennungszeichen

  • Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen
  • Bewusstseinsveränderung (Verwirrtheit bis Bewusstlosigkeit)
  • Atem-/Kreislaufveränderungen (je nach Substanz)
  • Auffälliger Geruch (z. B. nach Alkohol, Chemikalien), Verätzungsspuren im Mundbereich
  • Auffindesituation mit Hinweisen (leere Tabletten-/Medikamentenpackungen, offene Chemikalienbehälter)
  • Pupillenveränderungen (eng oder weit, je nach Substanz)

Sofortmaßnahmen

  • Eigenschutz beachten (z. B. bei Gasen/Dämpfen, Handschuhe bei Kontaktgiften)
  • Bewusstseinslage und Vitalzeichen prüfen
  • Auffindesituation sichern, Substanz/Verpackung wenn möglich identifizieren (wichtig für die Behandlung)
  • Giftinformationszentrale bzw. Arzt/Notarzt kontaktieren, Substanz und Menge (soweit bekannt) mitteilen
  • Bei Bewusstlosigkeit mit erhaltener Atmung: stabile Seitenlage
  • Bei Ateminsuffizienz/Kreislaufstillstand: Basismaßnahmen der Reanimation einleiten
  • Reste von Substanz/Erbrochenem für die spätere Analyse sichern, wenn möglich

Was NICHT tun

  • Kein Erbrechen auslösen ohne ausdrückliche ärztliche/Giftnotruf-Anweisung (Gefahr bei Verätzungen oder Aspiration)
  • Keine Milch oder andere Hausmittel ungeprüft verabreichen
  • Bewusstlose Person nicht in Rückenlage belassen (Aspirationsgefahr)
  • Verpackungen/Reste der Substanz nicht vorschnell entsorgen (wichtige Information für die Behandlung)

Verständigung

Sofortige Kontaktaufnahme mit der Giftinformationszentrale und/oder Arzt/Notarzt bei jedem Verdacht auf eine Vergiftung, unter Angabe von Substanz, Menge und Zeitpunkt soweit bekannt.

Eselsbrücke

Sichern statt spülen — Substanz und Verpackung sichern, kein Erbrechen ohne ärztliche Anweisung provozieren.

Merksatz

Nicht jede Vergiftung sieht dramatisch aus — bei unklarer Bewusstseinsveränderung immer auch an eine mögliche Intoxikation denken.

Prüfungswissen

Klassischer Prüfungsfehler: Bei Verdacht auf Vergiftung reflexartig Erbrechen auslösen. Bei ätzenden Substanzen (Säuren, Laugen) verursacht das Erbrechen zusätzliche Schädigung der Speiseröhre und erhöht die Aspirationsgefahr — Erbrechen wird nur nach ausdrücklicher Anweisung der Giftinformationszentrale ausgelöst.

Zusammenfassung

Bei Verdacht auf Vergiftung stehen Eigenschutz, Sicherung der Substanz und die sofortige Kontaktaufnahme mit der Giftinformationszentrale bzw. Arzt/Notarzt im Vordergrund. Erbrechen wird nur nach fachlicher Anweisung ausgelöst, bewusstlose Personen mit erhaltener Atmung werden in stabiler Seitenlage gelagert.

Praxisfall

Situation: Du findest eine Bewohnerin verwirrt neben einer leeren Tablettenpackung liegen, sie reagiert verlangsamt auf Ansprache.

Frage: Was tust du?

Musterantwort: Vitalzeichen und Bewusstsein prüfen, Verpackung sichern, Giftinformationszentrale/Arzt kontaktieren und Substanz mitteilen, bei erhaltener Atmung stabile Seitenlage, kein Erbrechen ohne Anweisung auslösen, engmaschig überwachen.

In der App weiterlernen mit Quiz, Karteikarten und Fortschritt.