Der Pflegeprozess in 6 Schritten einfach erklärt
Der Pflegeprozess ist das Grundgerüst der professionellen Pflege. Er sorgt dafür, dass Pflege nicht nach Gefühl, sondern planvoll und nachvollziehbar geschieht. In der Ausbildung begegnet dir der Pflegeprozess in der Theorie, in Pflegeplanungen und in fast jeder Prüfung. Dieser Artikel erklärt ihn in sechs Schritten und mit einem Beispiel.
Was ist der Pflegeprozess?
Der Pflegeprozess beschreibt einen Kreislauf: Du sammelst Informationen, erkennst Probleme und Ressourcen, setzt Ziele, planst Maßnahmen, führst sie durch und überprüfst, ob sie gewirkt haben. Weil es ein Kreislauf ist, beginnt danach alles wieder von vorn, wenn sich die Situation verändert hat. Er wird häufig nach Fiechter und Meier in sechs Schritte gegliedert.
Schritt 1 und 2: Informationen sammeln, Probleme und Ressourcen erkennen
Zuerst lernst du die Person kennen: Gesundheitszustand, Gewohnheiten, Wünsche, Fähigkeiten und Einschränkungen. Die Informationen kommen aus Gesprächen, Beobachtung, Unterlagen und Messwerten. Im zweiten Schritt wertest du sie aus. Welche Probleme gibt es, und welche Ressourcen bringt die Person mit? Ressourcen werden oft vergessen, sind aber der Schlüssel zur Selbstständigkeit. Wer noch selbst die Beine bewegen kann, braucht eine andere Unterstützung als jemand, der es nicht kann.
Schritt 3 und 4: Ziele festlegen, Maßnahmen planen
Aus den Problemen werden Pflegeziele. Ein gutes Ziel ist konkret, überprüfbar und gemeinsam mit der Person abgestimmt, zum Beispiel: Frau M. geht bis zum Ende der Woche mit dem Rollator zehn Meter ohne Hilfe. Danach planst du passende Maßnahmen, die beschreiben, wer was wann und wie oft tut.
Schritt 5 und 6: Durchführen und bewerten
Im fünften Schritt führst du die Maßnahmen wie geplant durch und dokumentierst sie. Im sechsten Schritt prüfst du, ob das Ziel erreicht wurde. War die Maßnahme wirksam, geht es weiter oder das Ziel gilt als erreicht. Wenn nicht, überlegst du, woran es lag, und passt Ziele und Maßnahmen an. Diese Bewertung (Evaluation) schließt den Kreis und startet ihn neu.
Ein kurzes Beispiel
Herr K. ist nach einer Hüftoperation unsicher beim Gehen. Du sammelst Informationen und erkennst die Sturzgefahr als Problem. Eine Ressource ist sein starker Wille, wieder selbstständig zu werden. Als Ziel vereinbarst du, dass er in einer Woche mit dem Rollator sicher zur Toilette geht. Maßnahmen sind begleitete Gehübungen, gut sitzende Schuhe und ein freier Weg. Du führst sie durch und prüfst nach einer Woche, ob das Ziel erreicht ist.
Häufige Fehler in der Ausbildung
Typisch sind zu allgemeine Ziele wie Wohlbefinden fördern, Maßnahmen ohne Zeitangabe und eine fehlende Bewertung. Auch die Ressourcen werden gerne vergessen. Prüfe jede Planung mit der Frage, ob jemand anderes sie ohne Rückfrage umsetzen könnte.
Informationen sammeln, Probleme und Ressourcen erkennen, Ziele setzen, Maßnahmen planen, durchführen und bewerten: Diese sechs Schritte begleiten dich durch die ganze Ausbildung. In der Next Level Pflege Academy findest du den Pflegeprozess im Bereich Pflegeplanung mit Schaubild, Quiz und Praxisfall.
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