Wundmanagement

Wundarten & Wundheilungsphasen

Akute und chronische Wunden unterscheiden, die drei Phasen der Wundheilung verstehen.

Akute und chronische Wunden unterscheiden, die drei Phasen der Wundheilung verstehen.

Ziel

Eine Wunde lässt sich erst dann sinnvoll versorgen, wenn klar ist, um welche Wundart es sich handelt und in welcher Heilungsphase sie sich befindet — beides zusammen bestimmt die passende Behandlung.

Grundprinzipien

  • Akute Wunden (z. B. OP-Wunden, frische Verletzungen) heilen in der Regel zeitgerecht innerhalb weniger Wochen, chronische Wunden (z. B. Dekubitus, Ulcus cruris) bestehen länger als 4–8 Wochen ohne ausreichende Heilungstendenz
  • Die Wundheilung verläuft in drei aufeinanderfolgenden, sich teilweise überlappenden Phasen: Exsudations-/Reinigungsphase, Granulationsphase, Epithelisierungsphase
  • Man unterscheidet die primäre Wundheilung (glatte, adaptierte Wundränder, z. B. chirurgische Naht) von der sekundären Wundheilung (offene Wundheilung von innen nach außen bei Gewebedefekt, z. B. chronische Wunden)
  • Chronische Wunden verharren häufig in der Exsudations-/Reinigungsphase, ohne in die Granulationsphase überzugehen — die Ursache dafür zu finden ist zentral für die Behandlung

Durchführung / Ablauf

  • Phase 1 — Exsudations-/Reinigungsphase (ca. Tag 1–4): Blutstillung, Entzündungsreaktion, Abtransport von Zelltrümmern und Keimen über Wundexsudat
  • Phase 2 — Granulationsphase (ca. Tag 4–14): Bildung von neuem Bindegewebe (Granulationsgewebe), Aussprossung neuer Blutgefäße
  • Phase 3 — Epithelisierungsphase (ab ca. Tag 14): Die Wunde wird von den Rändern her mit neuer Haut (Epithel) überzogen, Narbenbildung
  • Bei jeder Wundbeurteilung einordnen, in welcher Phase sich die Wunde gerade befindet — die Wundauflage muss zur jeweiligen Phase passen
  • Bei chronischen Wunden gezielt nach Ursachen für die gestörte Heilung suchen (z. B. Durchblutungsstörung, Druck, Infektion, Grunderkrankung wie Diabetes)

Typische Fehler

  • Jede Wunde gleich behandeln, unabhängig von Wundart und Heilungsphase
  • Chronische Wunden wie akute Wunden behandeln, ohne nach der zugrunde liegenden Ursache der gestörten Heilung zu suchen
  • Die drei Heilungsphasen als strikt nacheinander ablaufend missverstehen, obwohl sie sich in der Praxis überlappen
  • Primäre und sekundäre Wundheilung verwechseln und dadurch die falsche Versorgungsstrategie wählen

Eselsbrücke

Reinigen, Aufbauen, Überhäuten — die drei Phasen der Wundheilung in ihrer natürlichen Reihenfolge.

Merksatz

Eine chronische Wunde ist keine 'langsame akute Wunde' — sie bleibt oft in der Reinigungsphase stecken, weil eine behandelbare Ursache im Weg steht.

Prüfungswissen

Klassischer Prüfungsfehler: Alle Wunden nach demselben Schema versorgen. Die Wahl der Wundauflage und Maßnahmen muss sich nach Wundart (akut/chronisch) und aktueller Heilungsphase richten.

Zusammenfassung

Wundversorgung muss sich nach Wundart (akut/chronisch, primär/sekundär) und aktueller Heilungsphase (Reinigung, Granulation, Epithelisierung) richten. Zentrale Aufgabe: bei chronischen Wunden die Ursache der gestörten Heilung finden statt nur Symptome zu behandeln.

Praxisfall

Situation: Ein Bewohner hat einen Dekubitus, der seit sechs Wochen trotz täglichem Verbandwechsel nicht kleiner wird und weiterhin viel Exsudat produziert.

Frage: Was ist im Sinne des Wundheilungsverständnisses zu bedenken?

Musterantwort: Die Wunde verharrt offenbar in der Exsudations-/Reinigungsphase, ohne in die Granulationsphase überzugehen — es sollte nach einer behandelbaren Ursache gesucht werden (z. B. anhaltender Druck, Infektion, Mangelernährung), statt nur den Verband regelmäßig zu wechseln.

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