Sturzprophylaxe in der Pflege: Risiken erkennen, Stürze vermeiden
Stürze gehören zu den häufigsten Unfällen älterer Menschen und haben oft schwere Folgen, etwa Knochenbrüche, Angst vor weiteren Stürzen und den Verlust der Selbstständigkeit. Sturzprophylaxe ist deshalb ein fester Bestandteil der Pflege und ein Dauerthema in Ausbildung und Prüfung. Dieser Artikel zeigt, welche Risiken du kennen solltest und welche Maßnahmen im Alltag wirklich helfen.
Warum Menschen stürzen
Meist kommen mehrere Ursachen zusammen. Zu den körperlichen Faktoren zählen Muskelschwäche, Gleichgewichtsprobleme, schlechtes Sehen, Schwindel und Erkrankungen wie Parkinson oder nach einem Schlaganfall. Dazu kommen Verwirrtheit und Demenz, Inkontinenz mit eiligem Toilettengang und Medikamente, die müde oder schwindelig machen, zum Beispiel Beruhigungsmittel, blutdrucksenkende Mittel oder viele verschiedene Medikamente gleichzeitig.
Hinzu kommen Umgebungsfaktoren: Stolperfallen wie Teppichkanten und Kabel, schlechte Beleuchtung, nasse Böden, ungeeignete Schuhe und fehlende Haltegriffe.
Das Risiko einschätzen
Der Expertenstandard Sturzprophylaxe sieht vor, dass das Sturzrisiko systematisch eingeschätzt wird. Ein wichtiger Hinweis ist ein früherer Sturz, denn wer schon einmal gestürzt ist, stürzt häufiger. Du fragst nach Sturzgeschichte, beobachtest das Gangbild und fragst nach Angst vor dem Stürzen. Die Einschätzung wird bei Veränderungen wiederholt, etwa nach einer Operation, einer neuen Medikation oder einem Krankenhausaufenthalt.
Maßnahmen, die wirken
Kraft und Gleichgewicht lassen sich auch im Alter trainieren. Angeleitete Bewegung, Gehübungen und Physiotherapie senken das Risiko nachweislich. Dazu gehört, Hilfsmittel wie Rollator oder Gehstock passend einzustellen und deren richtige Nutzung zu üben.
Die Umgebung wird sicher gestaltet: gute Beleuchtung, freie Wege, rutschfeste Schuhe, ein erreichbares Rufsystem und ein niedriges, feststellbares Bett. Bei Medikamenten sprichst du Auffälligkeiten wie Schwindel an, damit die Ärztin oder der Arzt prüfen kann. Wer regelmäßig zur Toilette begleitet wird, muss nicht allein und in Eile gehen. Auch Sehen, Hören und Trinken gehören dazu, denn Flüssigkeitsmangel verstärkt Schwindel.
Fixierung ist keine Lösung
Bettgitter und Fixierungen wirken auf den ersten Blick sicher, erhöhen aber oft das Risiko schwerer Verletzungen und nehmen Bewegungsfreiheit. Sie sind freiheitsentziehende Maßnahmen, die nur unter strengen rechtlichen Voraussetzungen erlaubt sind. Das Ziel ist, Bewegung sicher zu ermöglichen, nicht sie zu verhindern.
Wenn doch etwas passiert
Nach einem Sturz bleibst du bei der Person, sorgst für Ruhe und prüfst Bewusstsein, Schmerzen und sichtbare Verletzungen. Du bewegst sie nicht unnötig und holst bei Verdacht auf Verletzungen ärztliche Hilfe. Dokumentiere den Hergang, die Beobachtungen und die Maßnahmen. Danach wird gemeinsam überlegt, wie ein erneuter Sturz verhindert werden kann.
Sturzprophylaxe bedeutet, das Risiko zu erkennen, Kraft und Sicherheit zu fördern und die Umgebung anzupassen. Das gelingt nur im Zusammenspiel aus Beobachtung, Training, Hilfsmitteln und guter Dokumentation. In der Next Level Pflege Academy findest du den Expertenstandard Sturzprophylaxe mit Quiz und Praxisfall, um dein Wissen für Prüfung und Alltag zu festigen.
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